Portfolio Stefan Schmidt

Kunsttischlerarbeit Tischuhr Atmos

Manufaktur Jaeger-LeCoultre


Portfolio Übersicht
Das Gehäuse zur Uhr, die atmet
Die Tischuhr Atmos der berühmten Schweizer Manufaktur Jaeger-LeCoultre basiert auf einem besonderen Prinzip.


Im Uhrwerk lagert eine Kapsel, in die ein Gasgemisch eingebracht ist, das sich bei Temperaturschwankungen ausdehnt und zusammenzieht. Die Volumenschwankungen werden in Bewegungen umgesetzt, die das Werk der Uhr antreiben. Aus Wärme wird Druck, aus Druck Bewegung, aus Bewegung gemessene Zeit.

Die Uhr funktioniert, wenn man so will, organisch. Ihr Name ist Programm. "Atmos" ist altgriechisch – im Original: ατμσς – und bedeutet so viel wie Dampf, Dunst oder Hauch. Kurzum: Atmos ist die Uhr, die atmet.


Was liegt näher als das Werk in ein Gehäuse zu kleiden, das auch atmet? Es gibt nur einen Werkstoff, der diesem Anspruch genügt: Holz.
 
Holz spiegelt zum einen das Organische der Funktionsweise der Uhr wider. Es ist zum anderen das warme Gegenstück zum Uhrwerk aus kaltem Metall.

So nahe die Idee liegt, so fern mag doch die Umsetzung bisweilen sein. Ein Entwicklungsingenieur aus Frankfurt, der seinerzeit mit Jaeger-LeCoultre zusammenarbeitete, hatte den Einfall, das Werk der Atmos mit einem Holzgehäuse zu verbinden. Er hatte schon detaillierte Entwürfe gezeichnet. Doch wer sollte es bauen? Höchste Handwerkskunst, Präzision und Akribie wären erforderlich, um aus einer papiernen Skizze eine dreidimensionale Wirklichkeit zu schaffen.


Der Ingenieur sprach meinen Vater an, der seinerzeit im Kurs zum „Geprüften Restaurator“ als Bester abgeschnitten hatte, und zeigte ihm die Zeichnungen. Nach genauem Studium der Baupläne und einigen schlaflosen Nächten nahm meinen Vater den Auftrag an.

Er fertigte zunächst das Werkzeug an, um die einzelnen Bauteile des Gehäuses überhaupt formen zu können. Dann baute er in mühevoller Handarbeit aus Eben-, Ahorn- und Rosenholz das Gehäuse, fertigte die Intarsien und polierte das Ganze mit Schellack.

Das Modell, welches Seitenflügel zum Aufklappen hat und die Weltkugel zeigt, ging in eine kleine, exklusive Serie. Es diente häufig als Geschenk für prominente Kunden oder gute Geschäftspartner. Die Serie wurde bis heute nicht wiederaufgelegt.